Geschichte und Entwicklung des Flughafen Niederrhein in Weeze Laarbruch!

Geschichte und Entwicklung des Airport Niederrhein:
Siehe dazu Flughafen Weeze bei Wikipedia

Jahresabschlüsse

Den gesetzlichen Verpflichtungen des Handelsgesetzbuches folgend, werden die Jahresabschlüsse der Flughafen Niederrhein GmbH (FN) im elektronischen Bundesanzeiger in der vorgeschriebenen Form veröffentlicht. Unter diesen Links , kann sich somit jeder Interessierte ein eigenes Bild von der wirtschaftlichen Lage des Airports machen:

Flughafen Niederrhein GmbH (FN) Jahresabschluss 2007, Jahresabschluss 2008, Jahresabschluss 2009.

Zum Verständnis es dabei hilfreich, auch die Abschlüsse der Muttergesellschaft Airport Niederrhein Holding GmbH und verschiedener FN-Tochtergesellschaften anzusehen:

FN Grundbesitzgesellschaft I GmbH & Co.  KG Jahresabschluss 2007, Jahresabschluss 2008, Jahresabschluss 2009.

FN Gewerbe GmbH
FN Logistik GmbH
FN Dienstleistung GmbH
Airport Niederrhein Betriebs-GmbH

Wirtschaftliche Lage des Airport Niederrhein

Obwohl die FN fällige Zins- und Tilgungszahlung auf die durch den Kreis Kleve gewährten Kredite über insgesamt Mio. EUR 26,5 Ende 2010 und erneut Anfang 2011 nicht fristgerecht leisten konnte, ist in der Presse und der öffentlichen Diskussion immer wieder von einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung, steigenden Passagierzahlen, operativen Gewinnen und vor allem einer großen Zahl  neu geschaffener Arbeitsplätzen die Rede.  Ist die FN somit ein tragender Wirtschaftsfaktor im Kreis Kleve für den man im Sinne einer gerechten Interessenabwägung „ein wenig Lärm und Schmutz“ billigend in Kauf nehmen muss?

Die Auffassung der Aktionsgemeinschaft dazu: GANZ SICHER – NEIN!!!

Was die wirtschaftliche Lage der FN angeht, belegen die vorliegenden Abschlüsse  nach Einschätzung der Aktionsgemeinschaft, dass der Airport trotz steigender Passagierzahlen und einer im kaufmännischen Sinne durchaus positiven Entwicklung,  auch im bis dahin erfolgreichsten Geschäftsjahr 2009 wirtschaftlich immer noch nicht wirklich gut dastand. Nach Durchsicht der Abschlüsse für die Jahre 2006 bis 2009 ergeben sich vielmehr folgende Schlussfolgerungen und Fragen zum Stand der Dinge Ende 2009:

Die FN war während der Geschäftsjahre 2004 bis 2009 in keinem Falle in der Lage, allein aufgrund der operativen Geschäftstätigkeit ein positives Jahresergebnis zu erzielen. Die veröffentlichten Jahresabschlüsse lassen vielmehr den Schluss zu, dass die für die Geschäftsjahre 2007 bis 2009 ausgewiesenen Jahresüberschüsse in Höhe von kumuliert Mio. EUR 1,8 ausschließlich dadurch zustande kommen, dass die FN in jedem der drei Geschäftsjahre Grundvermögen an die 100%ige-Tochtergesellschaft FN Grundbesitzgesellschaft I mbH & Co. KG (und damit quasi „an sich selbst“) veräußert hat.  Aufgrund des Zusammenspiels der Abschlüsse ist anzunehmen, dass durch derartige Transaktionen Buchgewinne von etwa Mio. EUR 15,2 realisiert und dadurch die betrieblichen Verluste ausgeglichen werden konnten. Begründet werden die Geschäfte mit einer steuerlich sinnvollen Verlustkonservierung (RP vom 11. Februar 2011).

Es ist anzunehmen, dass die FN ohne Berücksichtigung der nicht am Markt realisierten Erträge aus der Durchführung von Grundstücksgeschäften innerhalb des FN-Firmenverbundes per Ende 2009 ein mit etwa Mio. EUR 5 negatives Eigenkapital ausweisen müsste. Eine Überschuldung im insolvenzrechtlichen Sinne muss das gleichwohl nicht bedeuten, da – die Grundstückstransaktionen zeigen dies – im Vermögen der FN wohl noch stille Reserven ruhen.

Die Mehrheitsgesellschafterin der FN – die Airport Niederrhein Holding GmbH – hat zugleich Verluste in Höhe von jeweils etwa Mio. EUR 0,9 in den Geschäftsjahren 2008 und 2009 erlitten.

Zur Abdeckung des zu deckenden Liquiditätsbedarfes war die FN im Geschäftsjahr 2009 offensichtlich gezwungen, technische Anlagen sowie Betriebs- und Geschäftsausstattung im Umfang von etwa Mio. EUR 1 im Rahmen von Sale-und-Leaseback-Transaktionen an Dritte zu veräußern und im unmittelbaren Anschluss zurückzumieten.

Obwohl die FN im Geschäftsjahr 2009 mit mehr als 2,4 Mio. Passagieren möglicherweise bereits nahe an der ohne weiteren Ausbau erreichbaren Kapazitätsgrenze arbeitete (Quelle: Wikipedia), konnte unter dem Strich wohl bestenfalls ein knapp ausgeglichenes Ergebnis aus der laufenden Geschäftstätigkeit vor Zinsen erzielt werden. Da für 2011 nach eigenen Einschätzung der FN mit rückläufigen Passagierzahlen (Erwartung: 2,2 Mio. Fluggäste; vgl. RP vom 4. Januar 2011) zu rechnen ist, stellt sich die Frage, wie die FN die künftig an den Kreis Kleve zu leistenden Schuldendienst aufbringen wird? Wird trotz Luftverkehrsabgabe mit steigenden Fluggastzahlen gerechnet? Gibt es neue Einnahmequellen oder stehen andere Kreditgeber zur Ablösung der Mittel des Kreises bereit?

Das Vermögen der FN ist Ende 2009 zum weit überwiegenden Teil langfristig im Anlagevermögen gebunden. Unter Berücksichtigung der ebenfalls langfristigen Bindung des Vermögens des Tochterunternehmens FN Grundbesitzgesellschaft I, ergibt sich eine Unterdeckung des langfristig verbundenen Vermögens durch Eigenkapital oder langfristige Fremdmittel um schätzungsweise etwa Mio. EUR 21. Dieser Verstoß gegen die kaufmännische Faustregel der fristenkonformen Finanzierung (sog. „goldene Bilanzregel“), kann ggf. weiterhin die laufende Prolongation kurzfristiger Kreditmittel – z.B. der ausstehenden Zinszahlungen an den Kreis Kleve – erforderlich machen.

Ausweislich der veröffentlichten Jahresabschlüsse hat die FN hat in den zurückliegenden Jahren für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebes etwa Mio. EUR 9 aufgewendet. Diese betreffen laut den Erläuterungen dazu im Wesentlichen die Leistung von Einmalbeiträgen für Routenerweiterungen. Es ist daher wohl anzunehmen, dass sich die Millionenzahlungen  vor allem auch die branchenübliche Leistung von „Marketingzuschüssen“ und anderer Einmalzahlungen an Billigfluglinien betreffen.  Dies zu einer Zeit, in welcher der Kreis Kleve als Darlehensgeber auf Zins- und Tilgungszahlungen verzichtet!

Fazit: Der geübte Bilanzleser dürfte sich nach Sichtung der Jahresabschlüsse bis 2009 nicht allzu sehr gewundert haben, dass der Airport Niederrhein im Juni 2010 den Kreis Kleve um die Stundung der eigentlich zum Jahresende 2010 fälligen Darlehen über Mio. EUR 26,5 (zuzüglich aufgelaufener Zinsen) bitten musste.

Für die Mehrzahl der Politiker im Kreis Kleve war dies hingegen nach der Berichterstattung in der Presse eine „sehr überraschende Nachricht“  (RP vom 7. Juni 2010). Hatte man die Zahlen dort etwa nicht gekannt? Oder war in Kenntnis der weniger erfreulichen Vergangenheit eine signifikante Verbesserung der Liquiditäts- und Ertragslage bzw. die Refinanzierung der fälligen Mittel durch Bankdarlehen oder aus anderen Quellen erwartet worden, und worauf stützte sich dies Annahme? Oder aber: Hatte man schlicht gehofft, es werde schon irgendwie gutgehen und für den Fall der Fälle schon lange ins Kalkül gezogen, den Airport aus politischen Erwägungen heraus auch längerfristig finanziell zu unterstützen, ohne dies jedoch in der Öffentlichkeit klar und deutlich kundzutun?

Fragen zu denen – häufig mit Verweis auf die Nichtöffentlichkeit der Beratungen im Kreistag – weiterhin keine befriedigenden Antworten zu erhalten sind. Wie auch immer:  Am 8. Juli 2010 stimmte der Kreistag der Stundung der eigentlich Ende 2010 fälligen Zahlungen über Mio. EUR 34 bis 2016 zu; Zinsen auf diesen Betrag sollten dann aber ab 2011 jeweils vierteljährlich beglichen werden. Die RP schreibt dazu am 9. Juli 2010, Landrat Spreen habe in nichtöffentlicher Sitzung des Kreisausschusses im Vorfeld der Entscheidung gewarnt, ein Votum gegen die Stundung würde den Flughafen in die Insolvenz treiben.

Nachdem der Airport bereits Anfang 2011 kundgetan hatte, man rechne in Folge der Wirkungen der Luftverkehrsabgabe mit deutlich rückläufigen Passagierzahlen (RP vom 4. Januar 2011), wurde schließlich Anfang Februar bekannt, das der Airport auch die in 2011 fälligen Zinszahlungen voraussichtlich nicht leisten kann und dem Kreis Kleve dafür im Gegenzug Geschäftsanteile anbiete (RP vom 1. Februar 2011).

Hat auch diese Entwicklung die Entscheidungsträger im Kreistag die noch im Juli der Verlängerung von Darlehen unter der Bedingung laufender Zinszahlungen ab 2011 zugestimmt hatten überrascht? Mit der Möglichkeit der Einführung einer Luftverkehrsabgabe – mit der das Erfordernis einer weiteren Zinsstundung begründet wird – musste schließlich seit Verkündung der Planungen für das Sparpaket der Bundesregierung ernsthaft gerechnet werden. Die Überlegungen dazu waren durch die Bundeskanzlerin bereits Anfang Juni 2010 – also vor dem Beschluss des Kreistages – vorgestellt worden.